Wie wäre es, unsere ureigene Musik fließend sprechen und verstehen zu können?
Was würden wir sagen?

Open_Music will Kindern und Jugendlichen einen Weg zu ihrer eigenen Musiksprache zeigen und ihnen die Fähigkeit vermitteln, sich ohne sprachliche oder leistungsbezogene Hindernisse ausdrücken zu können.

Das musikalische Ausdrucksvermögen ist eine grundsätzliche menschliche Fähigkeit, die mit oder ohne Vorkenntnisse entdeckt und entwickelt werden kann. Durch die freie Improvisation wird die ursprüngliche Kraft der Musik unmittelbar erlebt. Mit speziell konzipierten Workshops begleitet Open_Music Jugendliche bei dem spannenden Umgang mit Klang und Ausdruck, frei von stilistischen und kulturellen Vorgaben. Die Früchte einer solchen Begegnung sind musikalisch ausdrucksstark, vielfältig und werden von den Zuhörern mit Begeisterung aufgenommen.

Die Teilnehmer erleben häufig durch die Workshops eine Bereicherung ihrer Persönlichkeitsentwicklung und eine Stärkung ihrer kreativen Schöpfungskraft. Gegenseitiges Zuhörens und Sich Trauen haben eine zentrale Bedeutung und bilden die Grundlage der musikalischen Entwicklung beim Improvisieren. Open_Music bietet sich hier an als ein Übungsfeld für grundlegende Kommunikationsfähigkeiten.

Open_Music:

- kann sehr gut mit Kindern und Jugendlichen ausgeführt werden, die durch ihr schulisches Umfeld und ihr Elternhaus keine Möglichkeit zu einem aktiven musikalischen Tun erhalten, da für die freie Improvisation keine instrumentalen Kenntnisse notwendig sind.

- ist ebenso hervorragend geeignet für Musikklassen unterschiedlicher Zusammensetzungen (auch Neigungskurse) und für Intensiv-Workshops und Kursen.

- beschreitet einen neuen und innovativen Weg, wie das Interesse von Menschen aus allen sozialen Schichten an Musik gestärkt werden kann.

- ist flexibel in seinen Einsatzmöglichkeiten, kann gut in den Schultag integriert werden als aktiver, direkter Zusatz zum normalen Musikunterricht. Alter, Anzahl und musikalischer Bildungsgrad der Schüler bilden für die Ausführung keine Einschränkung.

- ist ein Projekt zur Stärkung der eigenen Ausdrucksfähigkeit, der differenzierten Wahrnehmung und ein Übungsfeld der kreativen Freiheit in der Auseinandersetzung mit Musik, bildender Kunst, Tanz und Theater.

- schult das unvoreingenommene Zuhören und ermöglicht dabei einen offenen Zugang zu Komposition und damit auch zu den Werken zeitgenössischer Komponisten unterschiedlichster Stilrichtungen.

- erleichtert ebenso einen Zugang zu anderen kreativen Formen wie visueller Kunst, Tanz, Theater und stiftet solche Verbindungen in Form von Aufführungen verschiedener Kombinationen in ausgewählten Umgebungen: in Museen, Galerien, in Schulen und auf professionellen Bühnen.

Spannungsfeld Komposition – Improvisation

Struktur und Freiheit

Die Unmittelbarkeit und Intensität der gruppendynamischen Prozesse freier Improvisation ist ein Eckstein in der Arbeit von Open_Music. Zentral in unserer Auffassung von Improvisation ist die Notwendigkeit, aufeinander zu hören und die eigenen Beiträge so zu gestalten, dass eine nachvollziehbare Entwicklung, ein Austausch wie in einem sinnigen Gespräch zustande kommt. Gute Improvisation ist tatsächlich eine Art Echtzeitkomposition, womit sich die scheinbaren Gegensätze Improvisation und Komposition als Pole eines Kontinuums zeigen, die sich nicht widersprechen.

Einer der wichtigsten Aspekte im Laufe eines Open_Music Workshops ist es, durch unsere Improvisationen eine Folge von eigenen Stücken zu entwickeln, die sich in einem Konzertprogramm präsentieren läßt. Dieser kompositorische Prozess zeigt immer wieder, wie viel offener die Jugendlichen anderen zeitgenössischen Werken gegenüber sind, nachdem sie selbst mit klanglichen und formalen Elementen experimentiert haben.

Die Workshop-Teilnehmer machen sich durch ihr aktives und experimentelles Spiel mit bislang „Unerhörtem“ vertraut. Durch Auftragskompositionen, die sich dem Spannungsfeld Improvisation – Komposition widmen, wird das Konzerterlebnis für Hörer und Workshopteilnehmer um eine wichtige Dimension erweitert.

Die Auseinandersetzung mit den Werken und deren Komponisten werfen Form- und Gestaltungsfragen auf und bieten den jungen Menschen Ideen und Vorgehensweisen für eigene Kompositionen und andere Formen von Kreativität an.

Improvisieren zwischen völliger Freiheit und strukturierten Stücken, bei denen es z.B. Spielregeln gibt, bis hin zu richtig notierten Kompositionen, die je nach Schwierigkeitsgrad von den Jugendlichen zusammen mit den Workshopleitern oder von professionellen Musikern allein zur Aufführung gebracht werden – das ist die Bandbreite, die auch im abschließenden Konzert dargeboten wird.

Die jeweilige Programmzusammenstellung kann immer wieder neu die Frage aufwerfen: was ist fest notiert, was ist ungefähr vorstrukturiert und was aus dem Moment geboren?

Die Erfahrungen, dass Freiheit und Struktur keine unvereinbaren Gegensätze sind – weder rein menschlich, gesellschaftlich noch musikalisch – setzen wir verstärkt in unserer Arbeit ein.